FDP.Die Liberalen
Kreis 12
Ortspartei Kreis 12
22.08.2021

Interview mit Daniel Schwab

Vorstandsmitglied FDP 12, 
Mitglied vom Parteiausschuss Zürich,
SVS Schweizerischer Verband für Seniorenfragen,
SSR schweizerischer Seniorenrat und
alt Kantonsrat

Herr Schwab, Sie sind schon seit Jahren politisch aktiv - in der FDP und im Parteiausschuss der Stadt Zürich. Dabei haben Sie verschiedene Ämter ausgeübt. Können Sie sagen, welches Sie am meisten schätzten?

Meine Mitarbeit in der FDP Schwamendingen schätze ich ausserordentlich. Das ist quasi meine Geburt und meine Heimat meiner politischen Parteiarbeit – zu welcher mich Hanspeter Schneebeli, gebracht hat, der ja leider kürzlich verstorben ist.

Ich war zwar immer politisch interessiert, respektive habe schon immer politisch gedacht. Aber ich bin dann erst ca. 1993 «richtig» in die Politik gekommen, und das war in die FDP Schwamendigen.

Und diesem Schritt und damit auch dieser Partei verdanke ich am meisten. Denn eine politische Karriere kann nur stattfinden, wenn man eine Basis hat und diese war bei mir eben die Ortspartei FDP Schwamendingen.

 

Was war für Sie mitunter das Spannendste, was Sie jemals ausüben konnten?

Am spannendsten, was aber nicht heisst, dass es mir auch am besten gefallen hat, war das Kantonsratsmandat. Ich war sechs Jahre im Kantonsrat und dort durfte ich bereits ab Beginn in der Geschäftsprüfungskommission Einsitz nehmen. Und das war sicherlich etwas vom interessantesten in meiner gesamten politischen Karriere und dort habe ich wohl auch hinter den Kulissen mehr bewegen können als mancher in diesem Rat.  

Wir haben relativ unparteiisch, also unabhängig von den jeweiligen Parteien, unsere vielfältige Arbeit erledigen können. Man hat nicht parteimässig gegeneinander gearbeitet, sondern hat miteinander gearbeitet. Das habe ich nicht nur extrem gerne gemacht, sondern dabei habe ich auch extrem viel gelernt:

Ich habe gelernt Unterlagen richtig zu lesen, gelernt, dass nicht alles, was schriftlich auf einem Blatt steht, wirklich der Wahrheit entspricht und dass man Alles hinterfragen muss. Aber auch, dass man seine eigene Meinung von Zeit zu Zeit ändern muss, weil man in eine falsche Richtung gedacht hat.

Wir durften ja verschiedene Themenkomplexe untersuchen und auf ihre Richtigkeit oder Wirtschaftlichkeit hin überprüfen. Mussten schauen, ob der Staat sich an Gesetze hält, diese richtig umsetzt oder ob es eine Gesetzesvorschrift gibt respektive eine solche fehlt.

 

Können Sie sich an ein Beispiel erinnern?

Eine meiner ersten Fälle betraf einen Mann, der sich beschwert hatte. Er habe in Kloten auf einem Parkplatz in der Nähe des Flughafens einen Wohnwagen gekauft und als er von dort weggefahren ist wurde sein Dach von einer Unterführung zerstört. Er hat behauptet, dass die Höhe der Durchfahrt nicht korrekt angeschrieben gewesen sei. Es hat sich dann herausgestellt, dass die Darstellung des Klägers nicht den Tatsachen entsprach und so mussten wir dem Betroffenen mitteilen, dass wir als Beschwerdestelle für Ihn nichts machen konnten. Es ist ja auch so, dass die Geschäftsprüfungskommission nicht in geltendes Recht oder die Rechtssprechung eingreifen kann. Es ist ihre Pflicht, die Behörden darauf aufmerksam zu machen, wenn Fehler systematisch sind.

Es ist mir wichtig zu sagen, dass ich, nichts vermisst habe, als ich nicht mehr wiedergewählt wurde Denn ich habe mich im Ratsbetrieb selber, vor allem in den Sitzungen am Montag, nicht mehr wohl gefühlt.

Hingegen die Arbeit in meiner Kommission, die habe ich wirklich sehr geschätzt. Und auch heute habe ich noch mit vielen Mitglieder dieser Kommission Kontakt. Meist versuchen wir uns viermal pro Jahr zu treffen – und das ist noch spannend, weil wir wirklich immer über die alten Zeiten plaudern. Wie alte Leute, die nichts anderes mehr zu tun haben, als von den alten Zeiten zu sprechen.

 

Sie haben kurz angedeutet, dass Sie nicht unglücklich waren, als Sie nicht mehr in den Kantonsrat gewählt wurden. Wie kommt’s?

Meine persönliche Meinung und was ich ausserordentlich bedaure, ist, dass die Gesellschaft auseinanderfällt und damit auch die Parteien. Ich bin unter anderem ja auch sehr aktiv in Facebook und anderen sozialen Medien und erlebe das dort immer mehr, was ich sehr bedauere.

Und das ist mir auch bei den Sitzungen im Kantonsrat aufgefallen. Dort ist der Ton meiner Meinung nach, immer rauer geworden und es ging nur noch um die Profilierung der eigenen Partei oder des eigenen Egos. Das ist natürlich bis zu einem gewissen Grad auch richtig und wichtig – schliesslich kommt das Wort Parlament auch vom lateinischen parlare, was diskutieren bedeutet - jedoch muss man sich trotzdem nicht andauernd niedermachen.

Es ist wichtig zu wissen, dass die politische Arbeit in den Kommissionen gemacht wird, aber trotzdem sind einfach gewisse Sachen schlichtweg nicht nötig. Auch schade finde ich , dass ich mir von verschiedenen Menschen anhören musste, dass sie mich nicht mehr in den Kantonsrat gewählt haben, weil ich zu alt bin. Und das ist für einen 66-jährigen natürlich schmerzhaft. Das hat mir schon ein Stich ins Herz gegeben. Und ich finde einfach schade, dass man, gerade in Zürich, mit den Alten nichts mehr zu tun haben möchte. Denn es sollte doch ein miteinander, voneinander profitieren und lernen sein.

 

Sie haben gerade das Thema Generationen und den Umgang unterschiedlicher Generationen untereinander angesprochen. Was fällt Ihnen dabei besonders auf?

Mir tut die Generation leid, die jetzt 14 oder 15 Jahre alt ist und langsam erwachsen wird. Nicht wegen Corona, das mag sicherlich sein, dass das auch nicht lustig ist, aber als ich 15 war, hatten wir auch vieles nicht. Der Unterschied ist natürlich, dass wir es nicht gehabt haben, weil es nicht auf dem Markt erhältlich war – heute ist die Auswahl zu gross was vielen Jugendlichen extrem Mühe bereitet weil Sie nicht mehr gelernt haben zu verzichten.

Ich bin aufgewachsen in einem Gebiet, wo es ca. 10 Jugendliche gab und da gab es noch Velos, Trottinetts, Holländer (etwas ähnliches wie ein liegendes Trottinett). Ich wollte auch immer ein eigenes Velo oder ein eigener Holländer haben. Aber bei uns war ganz klar, dass dazu das Geld nicht reichte – das war gar keine Diskussion. Mein Vater meinte ganz einfach: «Bueb mer vermöged das nöd, wenn du möchtisch äs Velo oder än Holländer fahre, dänn muesch du dich mit dim Kolleg guetstelle, dass sis mal chasch fahre.»

Und so hast du Sozialkompetenz gelernt: miteinander umzugehen, auch mal etwas zu «schleimen», zu sagen, dass ich jetzt das Velo habe und somit der Boss bin. Heute geht alles sehr schnell unter Mobbing. Und diese Generation, die jetzt gross wird – da bin ich felsenfest davon überzeugt – die wird rückwärtsbuchstabieren müssen. Und das ist immer etwas Unangenehmes.

Ich bin wahrscheinlich aus einer Zeit, welche das beste Jahrhundert aus allen Zeiten erlebt hat. Und das weiss ich auch zu schätzen und ich finde, dass dazu auch eine gewisse Demut und Dankbarkeit braucht.

Das ist auch der Grund, warum ich mich in der Politik engagiert habe und auch in Vereinen immer noch sehr engagiert bin. Und zwar in Vereinen, in denen ich für meine Arbeit fast ausnahmslos nicht bezahlt werde. Aber das ist für mich der Preis, den du für den Wohlstand zahlen musst und ich bedaure es ausserordentlich, dass das immer mehr verloren geht.

 

Wie Sie gerade angesprochen haben, engagieren Sie sich ja auch in verschiedenen Vereinen – so wie ich weiss genauer in verschiedenen Altersorganisationen. Woher nehmen Sie die Energie?

Was wahrscheinlich viele nicht wissen – ich bin eigentlich gebürtiger Italiener. Vielleicht erklärt das das eine oder das andere. Nein Spass beiseite.

Aber klar, gewisse Tage sind so voller Termine, dass man mich am Abend auch nicht mehr wirklich gebrauchen kann. Zum Beispiel der Tag heute: Um 9.00 habe ich dieses Interview, um 12.15 habe ich eine Zoom-Sitzung als Ausschussmitglied der Stiftung  PWG (Stiftung zur Erhaltung von preisgünstigen Wohn- und Gewerberäumen der Stadt Zürich) die dauert zwei Stunden, um 15.00 Uhr bin ich an eine Fraktionssitzung der FDP des Gemeinderates eingeladen , an welcher ich die Position der PWG vertreten soll und am Abend habe ich noch eine FDP Sitzung. Und zwischen 11.00 und 12.00 muss ich schauen, dass ich etwas zwischen die Zähne bekomme – denn ich finde das ja etwas mühsames, wenn man während der Zoom-Sitzung vor laufender Kamera etwas isst.

Natürlich kann man sagen, dass ich sehr viele Sachen mache, aber für mich ist das der grosse Vorteil - dass ich so breit aufgestellt bin. Und dadurch kann ich halt auch querdenken, was durchaus viele Vorteile mit sich bringt. Vor allem auch, wenn es um die Erfahrung geht und diese möchte ich weitergeben.

 

Und wie kam es zu Ihrem Engagement bei den Senioren?

Weil ich in einem gewissen Alter bin – aufgefallen ist es mir ja das erste Mal, als ich gewisse Zeitschriften für über 50 Jährige erhalten habe – hat mich Cécilia Hänni - sie ist mit mir im Kantonsrat gesessen und ist Präsidenten des Zürcher Rentnerverbandes - angefragt, ob ich im Schweizerischen Verband für Senioren (SVS) mitarbeiten würde. Diese wiederum wählen Mitglieder in den SSR - den Schweizerische Seniorenrat. Das ist eine Art NGO, die der Bund in Altersfragen berät.

Das hat mich interessiert und in der Folge wurde ich bald in den SVS gewählt und anschliessend auch in den SSR. Und erlebe dort sehr intensive Sitzungen. Es ist ein ganz anderer, aber auch sehr spannender Blickwinkel.

 

Sie haben es bereits angetönt – auch im SSR finden Sitzungen statt. Wie können sich die Leser solche Sitzungen vorstellen? Gibt es Parallelen zu politischen Sitzungen?

Ja, es ist ziemlich ähnlich. Es ist einfach Alters-Politik, genauso wie schlussendlich jede persönliche Meinung einen politischen Hintergrund hat.

Politisch wird es immer dann, wenn die FDP an einem Biertisch mit SPler über die gleiche Frage diskutiert. Denn dann finden die einen die Meinung der anderen bescheuert und umgekehrt. Dann ist man in einer politischen Diskussion - Jeder erläutert seinen Standpunkt, aber niemand hört dem anderen richtig zu. Und am Schluss trinkt man zwar nochmals ein Bier, aber es gehen beide Parteien mit der eigenen Meinung nach Hause und verstehen die andere Meinung nicht.

Und bei den Leuten in den Altersgremien – die sind ja bis zu 90 Jahre alt – ist es zum Teil auch nicht einfach zu verlangen, dass diese noch Übersicht haben, bei all diesen gesetzlichen Regulierungen. Für mich irgendwie lustig ist, dass ich jetzt noch der Jüngste in diesen Gremien bin. Aber ich hoffe, dass ich der Gesellschaft noch lange etwas geben kann und gebraucht werde. Im Leben ist es für alle, ob Jung oder Alt, wichtig zu wissen, dass man gebraucht wird und dass man etwas beitragen kann. Packen wir es an.

 

Interview von Nathalie Klinger, Vorstandsmitglied FDP 12